ad TSH:
Die TSH-Unterdrückung bei Schilddrüsenkrebs hat zwei Ziele: Erstes Ziel ist den Verlust der Schilddrüse zu ersetzen (=Substitution) und normale Schilddrüsenwerte im Blut zu erreichen. Zweites Ziel ist ein Wachstum von verbliebenen Schilddrüsenzellen bzw. von papillären oder follikulräen Schilddrüsenkrebszellen zu verhindern, welches durch das TSH (=Thyroidea stimulierendes Hormon) stimuliert wird.
Der TSH-Wert soll daher anfänglich bei Schilddrüsenkrebspatienten auf ≤ 0,1 mU/l gedrückt werden (=TSH-Suppression).
Unstrittig ist unter den Ärzten, dass eine TSH-Unterdrückung unter einen Wert von
≤0,05 mU/l oder niedriger, keinen weiteren Vorteil bei der Verhinderung eines Wiederauftretens des Schilddrüsenkrebses (=Rezidiv) hat.
Auch wenn der Schilddrüsenkrebs noch fortbesteht sind sich die Ärzte einig, dass eine TSH-Unterdrückung sinnvoll ist.
Die Studienlage zu weiteren TSH-Unterdrückung in der Nachsorge für das Wiederauftreten des Schilddrüsenkrebs ist jedoch uneinheitlich.
Sicher weiß man jedoch, dass die TSH-Unterdrückung auf Dauer erhebliche Nebenwirkungen hat.
Die Nebenwirkungen einer auch leichten Schilddrüsenüberfunktion reichen von Bewegungsunruhe, Zittern, Nervosität bis hin zu Osteoporose und Herz-Kreislaufrisiken.
Ob der TSH auf Dauer unterdrückt werden soll, hängt von verschieden Faktoren ab. Auf der einen Seite stehen die Klassifikation des Tumors und die Eingruppierung in eine Risikogruppe. Auf der anderen Seite stehen andere Vorerkrankungen, insbesondere Herz-Kreislauferkrankungen.
Da es sich hier immer um eine Risikoabwägung handelt, sind die Empfehlungen der Leitlinien (Amerika, Europa und Deutschland) über die richtige TSH-Einstellung auch unterschiedlich, obgleich die wissenschaftliche Grundlage zum Teil dieselbe ist.
Einig ist man sich, dass bei Patienten, die in der ganzen Nachsorge als völlig geheilt betrachtet werden können, die Suppressions-Therapie durch eine reine Substitutions-Therapie ersetzt werden kann. Bei den Fragen für welche Risikogruppen und ab welchem Zeitpunkt unterscheiden sich jedoch die Empfehlungen ebenso wie in der Frage, welche Werte in einer Substitutionstherapie anzustreben sind.
Im Folgenden wird daher nur auf die Empfehlung der European Thyroid Association (ETA) eingegangen. Die ETA empfiehlt bei high-risk Patienten (jedes pT3, jedes pT4, jedes N1, jedes M1) und bei Fortbestehen der Tumorerkrankung einen TSH-Wert von ≤ 0,1 mU/l. Bei low-risk Patienten (pT1-2 N0 M0) sowie Patienten der high-risk Gruppe (nach einem Zeitraum von 3-5 Jahren bei unauffälligen Tumormarkern) wird ein TSH-Wert zwischen 0,5 und 1,0 mU/l angestrebt. In den amerikanischen Leitlinien werden hier gar Werte zwischen 0,3 und 2,0 mU/l empfohlen.
Die Risikoabwägung kann letztlich jedoch nur von Arzt und Patient gemeinsam getroffen werden und muss eventuell auch durch Hilfestellungen durch eine Selbsthilfegruppe oder eines professionellen Psychotherapeuten begleitet werden, da das Wissen um die unterschiedlichen Risiken eine psychische Belastung des Patienten sind.
ad TG:
auf dem Nuklearmedizinsichen Kongress in Hannover wurde auch eine Verlaufstudie zur Nachsorge bei mäßig erhötem TG-Wert vorgestellt.
K. Menhart, J.Schönberger, C.Eilles
Klinikum der Universität Regensburg, Nuklearmedizin
Follow-up bei Schilddrüsenkrazinompatienten mit unter Stimulation (TSH >30mU/l) mäßig erhöhtem hTG(1,0-5,0 ng/ml)
in: Nuklearmedizin 2/07, S.A88, P25
http://nukmed07.abstract-dialog.de/pdf2/P25.pdf
Diese Verlaufsstudie umfasst den Zeitraum 1998-2006 und es wurden insgesamt 28 Patienten einbezogen. Es fand sich bei diesen Patienten nach erfolgreicher Ablation in der Nachsorge ein TG-Wert von 2,4 (+-1,7) und kein Hinweis auf ein Tumorrezidiv im Ganzkörperszintigramm nach RJD (Jodszintgraphie) sowei im Ultraschall im Halsbereich (Halssonographie)
Alle Patienten bis auf einen hatte jedoch unter TSH-Suppression einen unauffälligen TG-Wert.
Die Regensburger schlußfolgern aus Ihrer Beobachtung, dass ein "grenzwertig erhöhter hTG (bis 5 ng/ml) unter Stimulationsbedingungen [Harald: Unterfunktion oder rhTSH], vorausgesetz die Jodszintgraphie und Halssonographie sind negativ, nicht überinterpretiert werden sollte."
Eine erneute Radiojodtherpaie (RJT) lässt sich nach Meinung der Regensburger unter den obigen Bedingungen nicht rechtfertigen.
LG. Ernst