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Hallo, ich hatte nach meiner 1. RJT im SMZ Ost ins AKH gewechselt. Ich kenne also beide Seiten.
Im SMZ Ost werden zunächst über einige Tage (Mo-Do in der Früh und am Vormittag) verteilt diverse medizinische Untersuchungen gemacht, so etwa ab 14 Uhr kann man Ausgang haben, der in der Regel auch bewilligt wird. Die Patienten stellen sich in Gruppen zu bestimmten Terminen in Gängen (der Bereich unmittelbar vor dem Untersuchungsraum muss wegen der Strahlung meist frei bleiben) vor der Tür des Untersuchungszimmers an, das Ganze wirkt ziemlich militärisch - auch mit Ausrufen über die Lautsprechanlage usw. Man erhält einen Ablaufplan - die darauf eingetragenen Uhrzeiten sind allerdings nicht sehr zuverlässig, es kommt auch vor, dass man morgens völlig überraschend aus dem Zimmer geholt wird, ohne dass das vorher angekündigt war. Wenn man aus irgendwelchen Gründen zusätzliche medizinische Untersuchungen braucht, ist das kein Problem - ich hatte z.B. eine Kontrolluntersuchung, die nach einer vorangegangenen Operation just in der Zeit fällig war. Etwa um die Mittagszeit am Freitag bekommt man dann die Kapsel verabreicht. Am Freitag muss man auch noch (ohne dass man darauf vorher hingewiesen wird) mit kurzfristigen Verlegungen in ein anderes Zimmer rechnen (es sind in der Regel Zweibettzimmer), da ein Teil der Patientinnen - bei denen die Kontrolle nichts ergeben hat (oder die dann doch operiert werden statt bestrahlt werden), dann wieder heimgeschickt wird und die "verbleibenden" zusammengelegt werden.
Wenn ich jetzt mal persönliche Dinge und Sachen, die vielleicht aus Zusammentreffen äußerst unglücklicher Umstände resultieren (immerhin kenne ich übers Internet auch Leute, die mit der RJT dort zufrieden waren) weglasse, die mir in meiner Zeit damals enorm zugesetzt haben, so sehr, dass ich als ich dort rauskam, ernsthaft überlegt hab, lieber gar keine RJT mehr zu machen als nochmal dort - ich war nach diesem Aufenthalt völlig fertig, hatte schlimme Dinge erlebt), bleibt immer noch, dass die Atmosphäre während der "strengen" RJT extrem steril ist (auch die Patientenzimmer sind so - also es wirkt wie auf einer Raumstation, man kann fast nichts anfassen, es gibt keine Lichtschalter und keine Wasserhähne, sondern alles läuft irgendwie über Sensoren oder Fernsteuerung, was es gibt, ist allerdings TV und ein Radio/CD-Player und ein herrlicher Ausblick über die Dächer Wiens - der leider in meiner Zeit durch Dauerbaulärm getrübt wurde - aber das ist halt Pech, es wurde dort ein Bau für ein PET-Gerät errichtet) - die Schwesten betreten gerade mal zum Essenbringen und Holen das Zimmer - wenn sie das machen, müssen die Patienten sofort zu ihrem Bett gehen, das von einer extrem hohen Bleiwand abgeschirmt ist - es besteht also nicht einmal bzw. kaum Sichtkontakt. (Ich musste mich, weil meine Mitpatientin eine viel geringere Dosis hatte, auch von dieser in den ersten Tagen fernhalten, zwischen unseren Betten war ebenfalls eine meterhohe Bleiwand). Man ist über eine Sprechglocke mit Ärzten verbunden, im Normalfall (sofern kein Notfall vorliegt) kommen die aber erst am letzten Tag herein - die Dauer ist nicht fix, ich bekam einen Tag vor meiner Entlassung (da durften wir erstmals kurz raus, zur Messung der Radioaktivität) auch keinerlei Auskunft von der Schwester auf die Frage, wie lange ich noch drin bleiben muss, obwohl das bereits anhand der Werte abzulesen war und es für mich eine enorme Erleichterung gewesen wäre, zu wissen, dass ich wenigstens am nächsten Tag heim kann.
Ich hatte etwa 2 Monate vor meiner RJT eine große CT-Untersuchung meines Bauchraums, wobei ich nicht wusste, ob radiojodhältige Kontrastmittel verwendet wurden oder nicht, dies war aus den Angaben auf dem Befund nicht ersichtlich. Der untersuchende Arzt bat mich, das herauszufinden. Die Stationsschwester, der ich den Befund zeigte, behauptete, daraus ablesen zu können, dass da mit Sicherheit keine Kontrastmittel verwendet worden sind - selbst auf mein ungläubiges Nachfragen, woher sie das wissen wolle - blieb sie bei der Behauptung, in etwa mit der Argumentation, weil bei "dieser Art von Untersuchung, wie sie hier beschrieben ist, nie Kontrastmittel verwendet werden". Erst auf mehrmaliges Drängen - zwei Stunden später hatte sie immer noch nicht angerufen - rief sie dann dort an. Am Abend wusste ich das Ergebnis nicht, die Abendschwester teilte mir nur mit, dass die Stationsschwester angerufen hätte, aber sie nicht wüsste, was herausgekommen war. Tatsächlich war jodhältiges Kontrastmittel verwendet worden - ich konnte aber zum Glück die RJT trotzdem machen.
Da das Ganze neu war für mich - also ich war gerade recht frisch mit der Krebsdiagnose konfrontiert und es war meine erste RJT - stellte ich viele Fragen, was dieser Schwester offensichtlich lästig war - OTon "ich muss Sie aber jetzt wirklich einmal beiseite nehmen und ein ernstes Wort mit Ihnen reden ...". Eine andere Patientin meinte zu mir, sie hat auch den Eindruck, dass es hier den Leuten am liebsten wäre, man verhält sich wie ein Schaf in der Herde und macht alles brav mit ohne groß nachzufragen, und wenn man das tut, dann kann man auch ganz gut auskommen. (Wohlgemerkt, nicht alle Schwestern dort sind so, aber es reicht ja schon, wenn eine so ist, wenn die dann das Sagen hat).
Der ärztliche Leiter war in dieser Hinsicht ganz anders - er war sehr nett und beantwortete alle Fragen ausführlich und geduldig, allerdings bekam ich ihn nur an einem einzigen Tag einmal zu Gesicht. Auch die Ärzte bei der Visite waren ganz okay.
Und nun zum AKH, wobei ich vorwegschicken muss, dass - aus meiner subjektiven Warte - der Aufenthalt im AKH das reinste Paradies war im Vergleich zu dem, was ich vorher mitgemacht hatte, wobei ich da vermutlich ja besonders viel Pech gehabt hatte.
Im AKH ist zwar vom ersten Tag an sozusagen "Zimmerarrest", es gibt keinen Ausgang, dafür ist die Aufenthaltsdauer erheblich kürzer. (Hier weiß ich allerdings nicht, ob das bei der 1. RJT anders ist, denn ich war ja nur zur 2. dort, und hatte dann schon alle Untersuchungen.) Das Zimmer liegt im Keller, und man hat einen etwas tristen Ausblick auf einen Lichthof mit Betonplatten, zwischen denen vereinzelt ein bisschen Gras zu sehen ist, aber die ganze Wand ist eine Fensterfront, sodass es sehr hell ist.
Man kann (wie auch im Donauspital) ein Zimmertelefon benützen, wenn man sich eine Karte dafür kauft. Es gibt einen Fernseher. CD-Player gibt es keinen, aber ich hatte meinen Discman mit und die ganze Zeit nur Musik gehört, zum Fernsehen hatte ich keine Lust. Im Zimmer gibt es - im Gegensatz zum SMZ-Ost - keinen Schrank - man kann aber Kleider zur Aufbewahrung außerhalb des Zimmers aufgeben. Von der Einrichtung her gibt es eigentlich nur zwei Betten, einen Tisch mit Stühlen, je ein Nachtkästchen und den Fernseher. Dusche und WC entsprachen ziemlich der "üblichen" Bauart.
An der Längsseite des Bettes befindet sich eine kleine Bleiwand, hinter die man sich stellt, wenn Ärzte oder Schwestern ins Zimmer kommen, die Wand ist aber weder sonderlich hoch (sie beginnt etwa in Kinn/Mund-Höhe) noch sonderlich breit und auch lange nicht so massiv wie die im SMZ Ost. Die Ärzte und Schwestern bleiben anfangs in Türnähe stehen, wenn die Strahlung abklingt, kommen sie allmählich näher.
Aber es kam mehrmals täglich jemand zu mir ins Zimmer (Essen bringen usw.)
Insgesamt war die Atmosphäre im AKH während der RJT wesentlich "menschlicher" - man kam mir sogar sehr bei der Beschaffung meines Kombinationspräparats entgegen, nachdem ich überzeugend argumentiert hatte, dass es mir mit diesem Medikamt um Häuser besser ging, als mit einem Monopräparat (ich hatte nicht mehr ausreichend, und hatte in den letzten Tagen vor der RJT keinen Antrieb mehr gehabt, mich darum zu kümmern), obwohl mir auch dort anfänglich Skepsis entgegenschlug (aber das scheint leider in Wien weitverbreitet zu sein, dass es so negative Vorurteile gegen Kombipräparate unter den Ärzten gibt) und hat jetzt die halbe Packung sogar vorrätig, falls es wieder einmal jemand braucht (weil das offenbar ein totales Novum war dort). Leider konnte ich am Abschlusstag nicht mehr mit dem Arzt sprechen, der den Entlassungsbefund ausgestellt hatte, weil dieser zu einem Strahlennotfall gerufen worden war. Im AKH hatte ich mit dem gesamten Personal (Ärzte, Krankenschwestern, Bedienerinnen), das ich während der RJT zu Gesicht bekam, ausnahmslos nur gute Erfahrungen gemacht.
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