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Ich hatte vor meiner Radiojodtherapie in Klagenfurt sehr viele offene Fragen und wußte nicht genau, was auf mich zukommen wird.
Daher stelle ich heute für alle Betroffenen einen teilweise stichwortartigen Bericht meines Aufenthaltes ins Forum. Vielleicht hilft´s dem einen oder anderen.
Liebe Grüße an Euch alle,
Elke
1. Tag - Sonntag
14.00 Uhr Aufnahme im LKH Klagenfurt
Verabschiedung von meiner Familie, die mich ins Krankenhaus gebracht hat (ich bin sentimental, ein paar Tränen)
Schwester zeigt mir mein Zimmer (Einzelzimmer, finde ich super) und beantwortet all´ meine Fragen.
Urinabgabe
Einnahme einer radioaktiven Testkapsel (zur Berrechnung der Menge der radioaktiven Kapsel am Dienstag)
Ausfüllen eines allgemeinen Fragebogens (Größe, Gewicht, ev. Diäten)
Blutdruck, EKG
Aufnahme des Essensplanes für nächsten Tage
Schwester nimmt sich viel Zeit für mich und klärt mich auf: Übelkeit beginnt meistens 1 Tag nach Einnahme der radioaktiven Kapsel (magenschonende Nahrung in den nächsten Wochen, da die Kapsel die Schleimhäute schwer angreift).
Kaugummis bzw. Gummibärli udgl. erst 1 Tag nach der Einnahme der Kapsel nötig (Anregung der Schleimhauttätigkeit für Speichelfluß)
Aufklärung über Duschen: Wasser sparen: (1 Jeton = 1 Minute Duschen)
Abend: Blutabnahme durch einen Arzt
2. Tag, Montag
Urin abgegeben, noch ergiebige Dusche in einem anderen Zimmer ohne Jetons möglich (herrlich!), danach Frühstück
Szintigraphie
abermals Blutabnahme
Gespräch mit Ärztin (Allgemeines, diverse Fragen werden beantwortet)
Zu Mittag Kapsel (nicht sehr groß, lässt sich normal schlucken), nun 2 Stunden nüchtern bleiben, viel trinken,
nach 2 Stunden mit dem Kaugummikauen anfangen,
3 x täglich Paspertin-Tropfen gegen Übelkeit vorbeugend erhalten.
An diesem Tag ungefähr 3 Liter Wasser und Tee getrunken.
Stimmung am 2. Tag:
Fühle mich nicht wohl, bin sehr angespannt. Die Zeit vergeht langsam. Ich habe immer etwas Angst, wohl genug zu trinken und genug Kaugummis zu kauen, Angst vor nächstem Tag (Übelkeit?)
3. Tag, Dienstag
Das Essen erscheint mir bis zum heutigen Tag etwas eintönig:
Seit Eintreffen am Sonntag habe ich 3 Mal Reis mit Fleisch und Saft bekommen (kann es nun nicht mehr sehen)
Stimmung am heutigen Tag:
Am Vormittag recht gut, Zeit vergeht auch schnell. Bekomme Anrufe von meiner Familie
Nachmittag: Freu mich schon auf Morgen, darf morgen wahrscheinlich aus dem Zimmer raus auf den Gang und ins Freie (teilt mir eine Schwester mit). Es regnet heute ziemlich stark, das stört mich aber gar nicht.
Habe keine Übelkeit, keine Schmerzen: nur minimale Schwellung im Bereich der Ohrspeicheldrüse
4. Tag, Mittwoch
Ich habe mich superschnell geduscht (1 Minute),
Puls und Temperatur gemessen.
Um 8.00 Uhr findet die Messung der Restradioaktivität statt. Ich liege unter der gesetzlich vorgeschriebenen Menge, daher darf ich nach der Visite um 11.00 Uhr mein Zimmer verlassen.
Ich bin viel spazieren gegangen, merke dies am Abend, da ich Kreislaufprobleme habe: muß Füße hochlagern, bin sehr müde.
Leichte Übelkeit
5. Tag, Donnerstag
Ausgiebig geduscht (ohne Jetons, in einem der normalen Zimmer)
Danach Blutabnahme – Schilddrüsenwerte bestimmt)
Bekomme ½ Tablette Thyrex
Blutdruck und Fiebermessung
Beim Anblick des Essens überkommt mich wieder diese leichte Übelkeit.
Das Einzige, das mir noch wirklich schmeckt :
Suppe mit Nudeln, Suppe mit Knödel
Buttermilch, Käse, Semmeln, leeres Brot
6. Tag, Freitag,
Um 7.00 Uhr finde ich mich „geschniegelt“ beim Ganzkörperszintigramm ein.
Abschlußgespräch mit Ärztin
Um 09.00 Uhr verlasse ich, nach einer netten Verabschiedungsrunde, mit der Rettung die Klinik.
Symptome seit Fehlen meiner Schilddrüsenhormone:
Mir ist ziemlich kalt (trotz 30 Grad Außentemperatur)
Kreislaufbeschwerden/Kopfweh
Starke Müdigkeit
Bisschen Angst vor Ungewissheit, was kommt noch auf mich zu?
Leichte Muskelzuckungen (Kniebereich)
Résumé:
Die Ärzte und Schwestern in Klagenfurt sind sehr nett und nehmen sich immer Zeit für alle anstehenden Fragen.
Die Zimmer sind auch ganz nett.
Ich bin sehr froh, dass ich alles gut überstanden habe. Körperlich gesehen geht´s mir relativ gut. Ich hoffe, dass das Thyrex mich schnell wieder aus meiner Unterfunktion rausholt.
Meine Psyche ist etwas angegriffen, schließlich ist das Schlucken einer hochdosierten radioaktiven Kapsel nicht ganz leicht wegzustecken.
Was muß man 7 Tage nach der Entlassung noch beachten
(Merkblatt aus dem Krankenhaus):
Kontakt mit anderen Personen:
Halten Sie einen möglichst großen Abstand zu anderen Personen. Bei längeren Aufenthalten (mehr als 2 Stunden) halten Sie einen Abstand von mindestens 2 Metern ein.
Beim Kontakt zu Schwangeren und Kindern:
Jeder enge Kontakt zum Partner sollte auf eine halbe Stunde täglich beschränkt werden. Sie müssen in getrennten Betten schlafen. Zwischen den Betten muß ein Abstand von mindestens 2 m sein, auch wenn eine Wand dazwischen liegt. Wohnungswände bieten keinen ausreichenden Schutz gegen diese Art von Strahlung.
Kein Kontakt mit Kindern
Radioaktives Jod geht in die Muttermilch über. Das Stillen muß daher vollständig unterbleiben.
Keine Veranstaltungen (Konzerte, Kino udgl.) besuchen,
bei denen Sie sich längere Zeit in unmittelbarer Nähe anderer Personen aufhalten.
Kurze Straßenbahn- oder U-Bahnfahrten in dringenden Fällen möglich.
Längere Fahrten:
möglichst alleine sitzen oder öfters Sitzplatz wechseln.
Fahrten mit dem Taxi: hinter dem Beifahrersitz Platz nehmen. Mit demselben Taxifahrer nicht länger als 2 Stunden fahren.
Benützung von Besteck, Geschirr, Handtüchern, Betttüchern und dergleichen.
Radioaktives Jod wird auch mit dem Speichel und dem Schweiß aus dem Körper ausgeschieden, was zur Verunreinigung von Besteck, Geschirr, Handtüchern, Betttüchern udgl. führen kann.
Daher diese Gegenstände nicht gemeinsam mit anderen Personen benutzen. Nach dem Spülen oder Waschen sind diese aber wieder vollkommen ungefährlich und können wieder von allen verwendet werden. Ein separates Waschen dieser Gegenstände ist nicht erforderlich.
Man sollte täglich duschen.
Benützung der Toilette.
Das radioaktive Jod wird zum größten Teil über den Urin aus dem Körper ausgeschieden. Achten Sie daher besonders darauf, dass kein Urin verspritzt wird. Auch Männer müssen beim Wasserlassen unbedingt eine sitzende Stellung einnehmen. Sorgen Sie nach der Benützung für eine sorgfältige Toilettenspülung.
Lüften der Wohnung:
Radioaktives Jod wird von Ihnen auch ausgeatmet und führt so zu einer Verunreinigung der Raumluft. Sorgen Sie daher durch häufiges Lüften Ihrer Wohnung für regelmäßige Frischluftzufuhr.
Schwanger werden/Kinder zeugen:
Während der nächsten 6 Monate sollten Sie nicht schwanger werden bzw. Kinder zeugen.
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