gisela hat geschrieben:
Wer hat bereits Erfahrung mit Thyrogen. Welche Nebenwirkungen gibt es?
Ich hatte ein SD-Karzinom. Musste dann die Radiojodtherapie machen. 6 Wochen Unterfunktion. War für mich die Hölle. Müsste nun im Mai, Juni wieder eine 6-wöchige Pause einlegen. Nun hab ich gelesen, dass man statt der Unterbrechnung auch Thyrogen spritzen kann.
Wer hat schon Erfahrung mit Thyrogen? Bitte um Info
Danke
Gisela
Hallo Gisela,
hatte noch keine hochdosierte RJT mit Thyrogen, aber bereits zwei Nachsorgeuntersuchungen (J-131 Ganzkörperszintis) unter Thyrogen. Dabei hats das bei mir so funktioniert, dass das rekombinante TSH (thyrogen) an zwei aufeinander folgenden Tagen (Samstag, Sonntag) im Zuge einer stat. Aufnahme im KH (dadurch zahlt Krankenkasse) im. verabreicht wurde, Montag Jod131-Kapsel, Mittwoch Scan. Bei RJTherapien gibt es für und wider, siehe beiliegende Studie. Ich finde aber, wenn man sich 6 Wochen die einfach nur "unbeschreiblich furchtbaren" UF-Symptome ersparen kann, ist es sicher einen Versuch wert.
Studie: Radiojodtherapie mit Thyrogen
Hallo,
Thyrogen ist bereits seit Anfang 2005 auch für die Ablation (vollständige Entfernung) der Schilddrüse, also für unsere Radiojodtherapie zugelassen.
Auf dem Kongress der Nuklearmediziner in Basel Ende April 2005 wurde eine Studie zu diesem Thema vom Würzburger Nuklearmediziner Dr. Luster vorgestellt.
Verglichen wurden zwei Patientengruppen, denen nach einer operativen Entfernung der Schilddrüse mit Hilfe einer Radiojodtherapie die restlichen Schilddrüsenzellen entfernt werden sollten (Ablation).
Die 60 Patienten hatten nach der Schilddrüsenoperation (Thyreoidektomie) alle ein Tumorstadium von T0-T2,N0-N1,M0 (also ohne Fernmetastasen), lediglich 2 Patienten hatten ein follikuläres Karzinom, der Rest ein papilläres Schilddrüsenkarzinom. Die Patienten wurden an insgesamt 9 Kliniken therapiert: Sienna (Italien, n=17), Baltimore, Columbus, Houston und Denver (USA, n=10+4+3+1), London (Canada, n=9), Institut Gustave Roussy und Centre Rene Huguenin(Frankreich, n=9+1) sowie Würzburg (n=9).
Bei allen Patienten wurde eine Radiojodtherapie mit 3,7 GBq I-131 durchgeführt.
Per Zufall ausgewählt wurden jedoch 28 Patienten, die traditionell mit Schilddrüsenhormonentzug (4-6 Wochen; bis TSH 25 mU/l) therapiert wurden, und 32 Patienten mit Thyrogen, also künstlichem TSH (recombinat human TSH = rhTSH), eine RJT erhielten.
Eine Radiojodtherapie funktioniert nicht gleich in Unterfunktion (Hypothyreose) wie mit künstlichem TSH. Beide haben aus theoretischen Überlegungen Vor- und Nachteile für die Radiojodtherapie.
Ein Nachteil von Thyrogen ist, dass durch die Substitution mit Schilddrüsenhormon Thyroxin (T4, Medikamentname L-Thyroxin, Euthyrox) vor der Radiojodtherapie eine höhere Jod-Konzentration im Körper besteht, und dadurch eventuell nicht soviel radioaktives Jod in den Schilddrüsenzellen aufgenommen wird, so dass diese zerstört werden. Durch Messungen der Jod-Aussscheidung im Urin kann man dies auch feststellen.
Ein Nachteil der Unterfunktion durch Hormonentzug über 4 bis 6 Wochen ist, dass in dieser doch relativ langen Zeit weiter verstärkt Wachstumsanreize an die Schilddrüsen- und Schilddrüsenkrebszellen ausgehen. Unter Thyrogen sind dies nur wenige Tage.
Bei der Aufnahme des Radioaktiven Jods durch das Schilddrüsenrestgewebe lassen sich daher auch Unterschiede feststellen: beim 48h Uptake (Uptake= Aufnahme des Jods, unter rhTSH etwas niedriger), der effektiven Halbwertszeit (unter rhTSH etwas höher) und der Residenzzeit (unter rhTSH etwas niedriger). Wobei lediglich die Residenzzeit signifikant niedriger ist. (Residenzzeit ist vereinfacht gesagt, die effektive Zeit, in der das radioaktive Jod in der Rest-Schilddrüse wirkt. Sie wird bestimmt dadurch wieviel Jod aufgenommen wird und wie lange es dort in der Schilddrüse verbleibt. Je höher die Residenzzeit um so besser.)
Für den Erfolg der Therapie hat die niedrigere Residenzzeit jedoch anscheinend keine Bedeutung.
Der Erfolg, der Radiojodtherapie wurde gemessen anhand des sichtbaren Uptakes und am rhTSH stimulierten TG-Wert.
Kein Unterschied gab es im Uptake, wenn nichts mehr sichtbar war bzw. dies kleiner 0,1% war.
Überhaupt kein sichtbares Uptake hatten 24 von 28 Patienten in Unterfunktion, und 24 von 32 Patienten mit Thyrogen. Beim mit Thyrogen stimulierten TG-Wert hatten einen Wert kleiner als 2 ng/ml 18 von 21 Patienten, die eine RJT in Unterfunktion hatten, und 23 von 24 Patientnen, die eine RJT mit Thyrogen hatten.
Auf dem Kongress wurden dann noch die Nachteile einer Unterfunktion dargestellt, sowie festgestellt, dass unter Throgen (rhTSH) für den Restkörper auch eine niedrigere Strahlenbelastung besteht.
Die Radiojodtherapie mit Thyrogen wurde auf dem Kongress eigentlich nicht in Frage gestellt. Problematisiert wurden die hohen Kosten von Thyrogen. Hier wurde empfohlen, dass (lediglich) die Rezeptverschreibung/austellung von Thyrogen in onkologischen Praxen erfolgen soll, weil diese eine größere Erfahrung bei der Verschreibung teurer Medikamente haben, da dies gegenüber den Krankenkassen dokumentiert werden muss.
Ferner wurde diskutiert, ob auch bei einem Einsatz von Thyrogen man für ein paar Tage vorher bereits die Schilddrüsenhormone absetzt, um die Jodaufnahme zu verbessern.
Diese Zusammenfassung basiert auf einem Abstrakt dieser Studie in.: V 153
Luster, M; et.al.: Rekombinantes TSH vor ablativer Radioiodtherapie bei Patienten mit Schilddrüsenkarzinom im Vergleich zur Behandlung in Hypothyreose (Quelle: Nuklearmedizin 2005;44; 49-68; S.A61/2)
Online nachlesbar:
Markus Luster, Francesco Lippi, Barbara Jarzab, Petros Perros,
Michael Lassmann, Christoph Reiners and Furio Pacini:
rhTSH-aided radioiodine ablation and treatment of differentiated thyroid carcinoma: a comprehensive review.
Endocrine-Related Cancer (2005) 12 49–64
Englisches AbstractLink verläßt das Forum, neues Fenster wird geöffnet und vollständiger Text als PDFLink verläßt das Forum, neues Fenster wird geöffnet:
http://erc.endocrinology-journals.org/c ... nt/12/1/49
LG.
-Ernst-
"Es ist nicht nötig sein Leben zu ändern, es ist nur nötig anders zu denken...."