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Hallo
Habe mal ein Frage zu der Subakuten Thyreoditis de Quervain .
Habe nach mehreren Fehldiagnosen ( Hashiomoto ) jetzt diese Diagnose errhalten , und sie ist für mich schlüssig . Habe über die ersten Diagnosen bereits im Forum berichtet . Habe mehr oder weniger starke Schmerzen an der Schilddrüse und einen wechselnden TSH . Ich schwanke zwischen Hyper und Hypotherose hin und her . Leider scheint sich die Sache bei mir chronifiziert zu haben , Da die Beschwerden so alle 3. bis 5. Monate wiederkehren . Ich brauche noch kein L Thyroxin . Die Schmerzen bekomme ich mit Ibuprofen einigermaßen in den Griff , und die Hypertherose behandle ich je nach Bedarf mit geringen Mengen Betablocker . Jetzt gibt es die Möglichkeit einer Kortison Therapie . Hat jemand Erfahrungen damit gemacht bezüglich Wirkung und Nebenwirkungen . Würde mir eventuell erhoffen das ich die Entzündung ein für alle mal loswerde .
lg. minl
Anbei eine Erklärung der Subakute Thyreoditis de Quervain !
Die subakute granulomatöse Thyreoiditis de Quervain stellt einen transienten, meist spontan ausheilenden Entzündungsprozeß der Schilddrüse dar. Frauen in der dritten bis fünften Lebensdekade sind häufiger betroffen (21, 30, 56, 58, 61). Pathogenetisch wird eine virale Triggerung des thyreoidalen Entzündungsprozesses durch Infektionen der oberen Atemwege bei genetisch prädisponierten Individuen (HLA-Bw35, HLA-B67) angenommen. Das Vorliegen des HLA-Bw35-Haplotyps scheint die Immunantwort auf ein infektiöses Agens zu verstärken, so daß bei Trägern ein bis zu 50fach erhöhtes Risiko für eine subakute granulomatöse Thyreoiditis besteht. Sie tritt häufig im Zusammenhang mit Virusinfektionen (Coxsackie-, Mumps-, Influenza-, Echo-, Adenoviren) auf, doch ist ein direkter Virusnachweis im Schilddrüsengewebe bislang nur vereinzelt gelungen (42, 67). Das klinische Spektrum der subakuten Thyreoiditis ist variabel und kann von asymptomatischen Verlaufsformen über vage Beschwerden im Schilddrüsenlager bis hin zu ausgeprägtem Lokalschmerz in der Halsregion mit schwerem allgemeinen Krankheitsgefühl reichen und von Myalgien, Arthralgien und sepsisartigem Fieber begleitet sein (30, 45, 56, 69). Klinisch imponiert typischerweise eine spon- tan oder auf Druck schmerzhafte, leicht vergrößerte und konsistenzvermehrte Schilddrüse mit Ausstrahlung der Beschwerden in die umgebenden Halsweichteile sowie die Kiefer und Ohrregion. Das symptomatische Krankheitsstadium variiert von wenigen Wochen bis zu mehreren Monaten, wobei die Beschwerden im Schilddrüsenlager wandern und auch auf den kontralateralen Lappen überwechseln können. Mitunter wird ein äußerst hartnäckiger Verlauf der Thyreoiditis de Quervain beobachtet, Rezidive treten in bis zu 20 Prozent der Fälle auf. Während des aktiven Erkrankungsstadiums finden sich meist eine starke Senkungsbeschleunigung (über 50 mm in der ersten Stunde), ein erhöhter Interleukin-6-Serumspiegel sowie ein erhöhtes C-reaktives Protein bei normaler oder gering erhöhter Leukozytenzahl (47, 71). Schilddrüsenspezifische Antikörper (Tg-Ak häufiger als TPO-Ak, selten TSH-Rezeptor- Ak) lassen sich im aktiven Krankheitsstadium bei 10 bis 20 Prozent der Patienten vorübergehend nachweisen. Sie reflektieren lediglich die Immunantwort auf entzündungsbedingt freigesetzte Schilddrüsenantigene, helfen aber differentialdiagnostisch kaum weiter und sind ohne prognostische Relevanz, so daß sich Verlaufskontrollen erübrigen (69). Sonographisch ist meist ein inhomogenes, fokal echoarmes Schallmuster nachzuweisen (Abbildung 1a) (7). Die Radiojodaufnahme in die gesamte Schilddrüse ist aufgrund des gestörten thyreoidalen Jodtransportes, der geringen oder supprimierten TSHStimulation und des erhöhten Jodpools im Serum meist stark reduziert (< ein Prozent in 24 Stunden). Bei typischer Klinik ist die quantitative Schilddrüsenszintigraphie nicht erforderlich, sie kann jedoch im Einzelfall differentialdiagnostisch nützlich sein. Bei atypischen Verläufen sichert der zytologische Befund nach Feinnadelaspiration (mehrkernige histiozytäre Riesenzellen) die Diagnose. Die Schilddrüsenfunktionsparameter folgen häufig einem dreiphasigen Verlauf. Zunächst kann es durch die Zerstörung von Schilddrüsenfollikeln und Thyreoglobulin- Proteolyse zur Freisetzung von präformierten Schilddrüsenhormonen (T4>T3) und Thyreoglobulin in den Blutkreislauf kommen, so daß klinisch und laborchemisch eine transiente Hyperthyreose auftritt, die jedoch im allgemeinen keine spezifischen Therapiemaßnahmen erfordert. Thyreostatika sind nicht indiziert, weil sie keinen Einfluß auf das Hormonleck nehmen und nur das Risiko einer Hypothyreose verstärken. Zur Kontrolle der transienten hyperthyreosebedingten Beschwerden (Tachykardie, Nervosität) kann ein Betarezeptorenblocker (zum Beispiel Propranolol) verabreicht werden. Mit Abklingen der Thyreoiditis ist auch die Hyperthyreose rückläufig, die Schilddrüsenparameter normalisieren sich, und die Fähigkeit zur thyreoidalen Radiojodaufnahme kehrt zurück, wobei ein unregelmäßiges Speicherungsmuster bestehen bleiben kann. Je nach Umfang und Schweregrad der entzündungsbedingten Zerstörung von Schilddrüsengewebe kann eine passagere, meist asymptomatische Hypothyreose auftreten, die jedoch selten substitutionspflichtig ist. Nur zwei bis fünf Prozent der Patienten bedürfen wegen einer persistierenden Schilddrüsenunterfunktion auf Dauer einer L-Thyroxinsubstitution (34, 69). Bei der Mehrzahl der Patienten heilt der thyreoidale Entzündungsprozeß folgenlos aus. Bei geringer entzündlicher Aktivität der Thyreoiditis genügt die Gabe von Salicylaten (1 bis 3 g/d) oder anderen nichtsteroidalen Antiphlogistika (zum Beispiel Ibuprofen 1 bis 2 g/Tag). Bei ungenügendem Ansprechen und schwereren Verlaufsformen sind Glukokortikoide indiziert, die den Entzündungsprozeß und die Hyperthyreose rascher und effektiver kontrollieren als nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR). Eine Therapie mit Prednison in einer täglichen Dosis von 40 bis 60 mg/d über zwei Wochen, gefolgt von einer schrittweisen Dosisreduktion (5 bis 10 mg/Woche), führt meist zu einer zügigen Besserung der Lokal- und Allgemeinbeschwerden (69). Tritt eine deutliche Besserung der Beschwerden nicht binnen 48 bis 72 Stunden ein, sollte die Richtigkeit der Diagnose überprüft werden. Eine langsame Reduktion der Steroiddosis im niedrigeren Dosisbereich (2,5 mg pro Woche bei Dosierung unter 15 bis 20 mg/Tag) kann dazu beitragen, das Auftreten von Rezidiven zu verhindern.
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