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Zynoc hat geschrieben : > Müdigkeit, keinen Antireb. sogar > Haushalt.!! und das bin nicht ich. Es gibt dann Tage da macht es mir spaß, > da habe ich alles in griff. mich! und dann überhaupt nicht. Ich habe > Panikatacken (hauptsächlich abends wenn mein Mann nciht zuhause ist, das > ist leider dem öfteren, beruflich) Ich habe eine herzrhytmus erkrankung. > hin und wieder richtige depriphasen. > > > Es ist einfach wirklich anstrengend derzeit.
Servus, Zynoc!
Zu deinen konkreten Befunden kann ich leider nichts beitragen. Dazu hab ich nicht ausreichend Know-How oder Erfahrung. Ich kann aber sehr gut nachempfinden, wie du dich fühlst.
Dieses "Das bin nicht ich"-Gefühl kann wohl nur jemand nachvollziehen, der das auch selbst so erlebt hat. Ich hatte schon jahrelang - mich dabei auch ein wenig selbst rügend - gesagt "Aber so war ich doch früher nicht" oder eben "Das bin doch gar nicht ich". Da wusste ich noch gar nicht über mein Hashi Bescheid. Heut weiß ich, dass ich mit diesen Aussagen viel richtiger lag, als ich damals dachte....
Meist ist es die Summe all dessen, in dem man sich nicht wiedererkennt und wo man dem alten Ich nachtrauert. Sich frägt, warum man "so" nicht mehr ist oder zu sein schafft. Was das Leben mit einem angestellt hat, dass man sich so gar nicht auf die Reihe kriegt und dabei selbst zusieht.
Wo doch "eigentlich" gar nichts sooo schlimmes mit einem los ist (scheinbar). So ein wenig "Antriebslosigkeit" - das muss doch zu überwinden sein. (=Ironie).
Noch dazu, wo man innerlich spürt, man würde auch wirklich gerne. Aber man rafft sich nicht hoch. Und sieht sich dabei zu. DAS ist m.E. das, was so ver-zweifeln lässt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Zweifeln an sich selbst. Zweifeln an den Zweifeln. Vielleicht denkt man ja nur in die falsche Richtung und hat so einen "blinden Fleck", der einem nicht möglich macht, das eigentliche Problem zu erkennen??? Zweifel über Zweifel...
WAS ist nun eigenes "Verschulden" bzw. mangelnde Selbstdisziplin und WAS geht grade wirklich nicht? Und WAS ginge, wenn... ja, wenn was? Es ist so wenig greifbar, so diffus. Keine Erkrankung zum Anfassen oder die äußerlich sichtbar wird. Auch für einen selbst nicht immer fassbar, weil man ja anerzogen bekommt, dass das Handeln immer dem eigenen Willen unterworfen ist. Will man also nicht oder warum diese innere Lähmung? Warum schafft man es nicht, sich zusammenzunehmen und wieder in die Gänge zu kommen? Das selbst zu akzeptieren und richtig einzuordnen ist keine leichte Übung. Auch ein Balanceakt, sich im richtigen Maß seinen momentanen körpereigenen Möglichkeiten anzupassen, anstatt zu versuchen, sich zu stressen - weil man sich selbst so gar nicht sehen mag und kann. Man war doch mal so leistungsfähig und auch -willig.
DAS finde ich eins der fiesesten Begleiterscheinungen an Hashi. Weil dieser Seiltanz nie ganz aufhört. Man kann nur stabilere Phasen von wackeligeren unterscheiden. Sich im Griff haben - das war einmal ein Gefühl, das Sicherheit gab. Und Halt. Genau DAS verliert man in diesen Phasen total. Man wird sich so erstaunlich fremd - und doch spürt man das alte Ich noch innendrin. Ein sehr zerrissener Zustand - zumindest erlebe ich das so. Jetzt, nach Stellung der Diagnose fällt es mir etwas leichter, damit umzugehen.
Manchmal frag ich mich, ob auch diese Angstzustände (ich hab sie gottlob nur kurz durchmachen müssen) nicht auch von dieser Haltlosigkeit noch verstärkt werden.
Ich wünsche dir, dass du nicht aufgibst und nicht mürbe machen lässt! Vielleicht wäre es hilfreicher zu versuchen, anstatt dich "in den Griff zu bekommen" lieber "freundschaftlich in den eigenen Arm zu nehmen". Das erste klingt nach dem, was es ist: Zwang. Auch Anstrengung. Das zweite würde bedeuten, du greifst nach dem, was gerade da ist und lernst es zu schätzen. So, wie es ist. DAS bist jetzt du. Vielleicht wirst du dich noch ein wenig in Richtung "altes Ich" (vor Ausbruch der Erkrankung) bewegen. Aber es hat keinen Sinn an der Vergangenheit festzuhalten. Das lähmt nur zusätzlich. Nimm dich so, wie du gerade bist. Sei auch nicht dankbar (das hieße ja, dir würde von außen etwas zuteil, das du selbst nicht steuerst), sondern mit dir zufrieden und liebevoll. Das macht die Sache etwas weniger anstrengend, wie ich aus eigener Erfahrung sagen kann. Es ist allerdings ein Prozess, der etwas dauert und auch ein wenig traurig sein kann. Denn man muss sich auch von so einigem verabschieden.
Aber es ist ein Fehler zu glauben, es gäbe keinen Ersatz dafür. Finde heraus, was dir guttut. Genieße, anstatt zu kämpfen. Irgendwie hab ich in deinen Zeilen denselben Kampf mit derselben Strenge zu dir selbst herausgelesen, wie auch ich ihn lange gekämpft habe. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen und er kostet soviel Energie, die du viel nötiger für den Erhalt deiner Gelassenheit brauchst.
Der Haushalt ist nicht mehr so blitzeblank wie früher? Ist das wirklich so schlimm? Die Wäsche liegt mal zwei Tage länger im Korb? Geht davon die Welt unter? Stell dir vor, was du mit der Zeit Schönes anfangen könntest, die du dir jetzt nicht dafür zugestehst, indem du dich selbst ermahnst für die Dinge, die du nicht mehr so leistest wie zuvor? Ein gutes Buch lesen? Wandern? Im Garten werkeln? ....
Sei nicht so streng zu dir selbst. DAS wünsche ich dir ganz besonders. Mich hat meine eigene Unzufriedenheit mit mir selbst viele Tränen und vergeudete Momente für Wohltuendes gekostet.
Wie du sicher schon im Forum gelesen hast, finden viele bei der richtigen Einstellung ihrer Medikamente nahezu zu alter Form zurück. Dann kann dir das mit der nötigen Geduld auch gelingen. Gib nicht auf. Alles wird gut!
Liebe Grüße,
Claudia
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