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 Betreff des Beitrags: Neuzugang
BeitragVerfasst: 22. Aug 2011 11:21 
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Registriert: 20. Aug 2011 13:29
Beiträge: 15
Wohnort: Wien
Servus in die Runde!


Nach inzwischen längeren Streifzügen durch das Internet bin ich auf dieses Forum hier gestoßen und reihe mich nun hier unter den von Hashimoto betroffenen ein.

Wo genau ich allerdings in der Stirnreihe hingehöre, kann ich noch nicht einschätzen. Ganz abgesehen davon, dass das ja kein Wettbewerb ist hier. *schiefgrins.
Wie ich lese, sind etliche hier weitaus schlimmer dran als ich. Viele haben einen ordentlichen Leidensweg hinter sich bis zur Diagnose-Stellung und dann noch einen langen Atem gebraucht bis zur richtigen Einstellung der Hormone.

Zu meiner Person:

ich bin jetzt 43, Mutter eines Achtjährigen (mit Legasthenie-Problemen) und nach einem burn-out bereits das zweite Jahr in Karenz ohne Bezüge. Von Beruf bin bzw. war ich AHS-Lehrerin. Momentan erwäge ich eine Ausbildung zur Legasthenie-Trainerin per Fernstudium. Auch mit dem Hintergedanken nicht mehr in unserem aktuellen Schulsystem arbeiten zu wollen.

Ich habe das Glück (auch, wenn es sich fast drei Jahre lang wie Pech angefühlt hat), durch ein burn-out und eine mehrjährige Schmerzerkrankung eines Zahns mit allerlei mehr oder weniger haarsträubenden Komplikationen und einer ähnlich schlimmen Zahnerkrankungsphase vor ca. 11 Jahren (seitdem weiß ich, wie stark Psyche und Soma zusammenhängen!) zu wissen, was es heißt, durchzuhalten. Und zu lernen, wo man auch irgendwann mal vor lauter Kampf mit der Krankheit den Boden unter den Füßen verlieren kann.

Mein Nick kommt also nicht von ungefähr: der Leicht-Sinn ist mir ein paarmal gehörig abhanden gekommen. Wie es sich ohne anfühlt zu leben und wohin man dabei abgleitet, weiß ich inzwischen auch. Und ich habe mir eins besonders vorgenommen: den Leicht-Sinn - in seiner schönsten Bedeutung des Wortes - zu kultivieren. Nicht leichtsinnig zuzulassen, dass man das Leben vor lauter Kampf verpasst. Mir fehlen schon ein paar Jahre davon - das sollte reichen.

Mein Hashimoto-Befund ist erst ca. zwei Monate her. Er war in erster Linie Erlösung und Erleichterung. Ich hatte die letzten paar Jahre angenommen, ich wäre vom Leben dermaßen gebeutelt worden, dass ich längst nicht mehr ich selbst war. "Aber so war ich doch früher nicht" - war ein Satz, den ich oft - auch laut - geäußert habe, wenn ich mich wieder dabei beobachtete, in einer Situation, die ich früher mit Links "gschupft" hätte, total handlungs- oft sogar denk- und entscheidungsunfähig zu sein. Ich hatte das Gefühl, ich wäre defekt. Vom Leben zu sehr mitgenommen zu sein. Und das mir - die ich früher eigentlich eher über den Dingen stand und auch jeden Kampf aufnahm! So recht konnte ich das nicht fassen...

Jetzt - mit der Diagnose Hashimoto - tun sich einige neue Perspektiven auf, die mir Hoffnung machen, ich kann doch wieder "ich selbst" werden. Ganz viele Wehweh-chen, die in Summe die letzten Jahre sehr anstrengend gemacht haben (vor allem die zwei, drei Monate nach meinem Schub, den ich da wohl hatte heuer im Frühjahr), finden nun eine mögliche Erklärung.

Als meine schmerzhaft geschwollenen Lymphknoten (nach einer - so dachte ich - heftigen Grippe) auch nach Wochen dann so gar nicht mehr weggehen wollten und ich über heftige Müdigkeit und starke Nacken- und Rückenschmerzen bis ins Gesäß geklagt habe, hat mein Hausarzt gleich richtig getippt und beim großen Blutbild auch die SD-Werte mit angefordert.

Meine Laborwerte weisen eine grade noch latente SD-Unterfunktion aus.
Sie hier anzuführen, sehe ich im Moment keinen drängenden Grund.

Dennoch hat mein Hausarzt sofort mit der Substitution Euthyrox 50 begonnen, um die SD ehestmöglich zu entlasten. (wie ich die Berichte hier so lese, scheine ich da einen der wenigen Hausärzte zu haben, die sich mit der Krankheit halbwegs auskennen. Wie sehr, werde ich wohl erst im Verlauf gemeinsam mit ihm herausfinden...).
Der momentane Status ist grade mal die Einschleichphase von 25 µg beendet und auf 50 gesteigert. Es wird also noch einige Wochen dauern, bis ich zu beurteilen wage, was sich da wie entwickelt.

Dennoch kann ich schon sagen: die Muskelverspannungen sind drastisch zurückgegangen, die Lymphknoten-Schwellungen weg, meine verspannte Hüfte wird wieder locker und die Achilles-Sehne zieht nicht mehr. Endlich keine Tage mehr, an denen ich nicht mehr weiß, wie sitzen, liegen, stehen, losgehen.

Die Konzentrationsphasen werden länger und ich habe endlich wieder ganze Bücher in Normaltempo (ein paar Urlaubstage) lesen und genießen können.

Auch mein Organisationstalent, das ich am meisten vermisst hatte, kehrt wieder.
DAS war für mich eigentlich das schrecklichste: mir zuzusehen, dass ich völlig neben mir stand bei den einfachsten Unternehmungen.

Ein paar Dinge "zwacken" im Moment, die ich der Einstellungs-Phase zuschreibe: Verdauungsprobleme in erster Linie, ev. sinds auch Unterleibs-Krämpfe, die sich auf die Verdauung auswirken. Ab und zu "sentimentale Anfälle", in denen mich Gefühle ein wenig übers angemessene Maß hinaus übermannen.

Aber so, wie ich hier die Berichte in den letzten Tagen gelesen habe, muss man da durch und so, wie ich es sehe, sollte man eher die schönen Dinge im Auge behalten, anstatt die "neuen" (und auch alten) Beschwerden jede Sekunde mit Akribie zu beobachten. Da ich selbst inzwischen weiß, wohin einen diese Spirale führen kann, weiß ich auch, dass das nicht immer einfach ist.


Inwieweit ich mich hier im Forum "einbringe", kann ich noch nicht abschätzen.


:!: Auf jeden Fall möchte ich jetzt schon allen(!) hier danken. :!:


Ihre Erfahrungen zu lesen, auch ihre Hochs und Tiefs ein wenig mitzuverfolgen, die Ängste, die Erfolge, den Kampf zwischen Erschöpfung und Hoffnung - all das zeichnet ein Bild von dieser Krankheit, die über die Laborwerte ja so gar nicht vollständig fass- und beschreibbar ist. Es sind die User hier, wie ich es sehe, die die Krankheit fassbarer machen. Schade allerdings, dass nur wenige - wenn auch verständlich - hier posten, die positives zu berichten hätten. Umso erfreulicher, wenn man dann doch von jemandem liest, der über Besserung zu berichten hat und über zurückgewonnene Lebensqualität.

Laut Statistiken geht es ja 80 % der von Hashimoto betroffenen recht gut (bitte mich zu berichtigen, wenn ich da fehlinformiert bin). Das sind - vermute ich mal - die, die man hier nicht liest. Das sollte man aber nicht außer Acht lassen. Vielleicht wird man selbst auch einmal in einen solchen Zeitabschnitt gelangen, wo man lebt anstatt hier zu lesen und/oder zu posten.
Etwas, das nachvollziehbar ist - dennoch: in der Darstellung hier fehlt für mein Gefühl der positive Ausgleich, der in erster Linie Hoffnung macht. Das Bild ist also nicht komplett. Etwas, das man leicht vergessen kann, wenn man sehr zermürbt ist.

Was ich hier sehr toll finde: wenn man aufmerksam liest und eins und eins zusammenzählt, gelangt man zur Summe "Es lohnt sich, durchzuhalten und Gelassenheit und Geduld aufzubringen". Das ist - scheint mir - das Anstrengendste überhaupt bei dieser Krankheit.


Uns allen also "gutes Gelingen, viel Gelassenheit" und das Wissen "man ist nicht alleine. Hier wird man gehört".


Claudia


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 Betreff des Beitrags: Re: Neuzugang
BeitragVerfasst: 23. Aug 2011 10:08 
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Registriert: 11. Aug 2009 18:08
Beiträge: 369
Wohnort: Graz
herzlich willkommen claudia,

dieses forum finde ich persönlich super und es finden sich immer wieder menschen, die einem einen rat geben können.
wir sind keine ärzte, aber wir leben mit hashi und können so tipps geben!

du hast sicher recht, dass geduld sich auszahlt - wenn ich von ausgehe, stimme ich zu 100% zu!

ich wünsche dir alles liebe, gute, eine gute einstellung und wir freuen uns immer, von anderen zu lesen :o)

lg claudia


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 Betreff des Beitrags: Re: Neuzugang
BeitragVerfasst: 23. Aug 2011 10:52 
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Registriert: 20. Aug 2011 13:29
Beiträge: 15
Wohnort: Wien
Lieben Dank für das herzliche Willkommen, claudia! :D


Nachdem ich mir relativ kurz nach Diagnosestellung "DAS Buch" gekauft habe und vorher schon das deutsche Forum entdeckt hatte, hab ich den Eindruck, dass gerade die Betroffenen selbst sehr viel beisteuern, indem sie ihre persönlichen Erfahrungen und Tipps, die ihnen selbst geholfen haben, vergleichen.

Daher lese ich - ja nun schon seit ein paar Wochen - grade auch in den Foren aufmerksam und versuche dann für mich die Quersumme zu finden, wo Arztmeinung und Patientenerfahrung gemeinsam mit dem eigenen Bauchgefühl (weil man selbst eben seinen Körper immer noch am besten kennt) zu produktiven Ergebnissen führen.

Da grade Hashimoto dermaßen individuell ist wie die davon Betroffenen, ist es gar nicht einfach, damit umzugehen, hab ich den Eindruck.

"mit hashi leben" - möge die Übung gelingen (wie Andre Heller so schön sagt)!


Liebe Grüße und alles Gute zurück!

Claudia


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